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Bonn
Bonn: Theatergruppe FULMINANT: Mr. Pilk's Irrenhaus
Einige leben in psychiatrischen Wohnheimen oder werden in ihren eigenen Wohnungen im Rahmen des Betreuten Wohnens für psychisch Kranke betreut. Einige leben ohne Hilfe zum Wohnen und sind in Arbeit oder Ausbildung. Uns, den Theaterleitern von “Fulminant”, Ulrike Pyll-Heidkamp (Dipl. Sozialpädagogin) und Jürgen Heidkamp (Altenpfleger), freie Mitarbeiter im Verein Zwischenraum, ist das Theaterspielen sehr vertraut, da wir jahrelang als Schauspieler in Deutschland und der Schweiz gearbeitet haben. Die neue Herausforderung war und ist die Regiearbeit, die uns mit diesem Ensemble viel Freude bereitet und immer für Überraschungen sorgt. So irre , wie die in dem Stück hier, war ich nie! Mr. Pilk´s Irrenhaus” heißt die neue Produktion des Theater “Fulminant”, die am 26.März 2009 in einem der ältesten Hörsäle der Uniklinik Köln, dem Hörsaal für Neurologie und Psychiatrie der Kölner Universitätsklinik Premiere hatte. Gespielt werden 10 kleine Szenen aus dem Leben Henry Pilk´s, eines irischen Trinkers, der einst als Obdachloser Dublin unsicher machte und wertvolle Erfahrungen als Insasse psychiatrischer Anstalten in seine niedergeschriebenen Episoden mit einfließen ließ. Nach der Aussage von Ken Campbell “schreibt Mr. Pilk wie er trinkt, kontinuierlich von mittags an, bis er nicht mehr kann. Er schreibt auf Zigarettenschachteln, Servietten, Wände, überall hin.” Der Autor Ken Campbell versuchte alles zu sammeln, “weil er es für das verrückteste und erhellendste Zeug hielt, dass ihm je untergekommen ist“. Herausgekommen ist dabei das Theaterstück “Mr. Pilk´s Irenhaus”, eine Zusammenfassung und Präsentation Pilkscher Werke. Und in der Tat haben es die kleinen Szenen in sich. Meistens gibt es einen ”wirklich Verrückten” und ein oder zwei “weniger Verrückte“, die noch alltagstauglich sind ohne besonders aufzufallen. Gelegentlich ist aber auch der für verrückt Gehaltene der einzig Normale. Wir haben es zu tun mit Valium schluckenden Psychiatern, habgierigen Polizisten, durchdrehenden Müttern und bekehrten Selbstmördern - wie das Leben so spielt. Unsere Theatermitglieder haben einen sehr guten Zugang zu der Welt des Henry Pilk und freuen sich, wenn sie sich, meist nach anfänglicher Scheu, als Darsteller einmal so richtig daneben benehmen können. Sie sind oft sehr belustigt über den Pilk´schen Humor und können sich manchmal beim Spielen kaum ernst halten, was natürlich absolut zwingend ist. Denn lachen soll der Zuschauer! Ein Darsteller äußerte nach einer Szene letztlich: “So irre , wie die in dem Stück hier, war ich nie!“ Mr. Pilk´s Irrenhaus erfordert von den Darstellern das Lernen größerer und komplizierterer Textpassagen sowie einen präziseren Umgang mit dem Text, als dies im Sommernachtstraum nötig war. Ein Shakespeare-Text läuft ein gutes Stück von alleine. Auch auf der darstellenden Ebene ist viel Psychologie erforderlich, so dass in dieser neuen Produktion des Theater´s FULMINANT durchaus eine Weiterentwicklung des schauspielerischen Könnens der Darsteller zu sehen ist. Einige Theatermitglieder habe ich gebeten, Ihre Sichtweisen und Erfahrungen im Bezug auf die neue Produktion darzulegen. Ulrike Pyll-Heidkamp Hier die Kommentare von vier Fulminant-Theaterschauspielern: Ich gehe auf die Bühne, weil ich da sein kann und nicht spielen muss. Ich muss nicht überlegen, verhalte ich mich richtig, wie reagieren die anderen Menschen auf mich. Der Penner gefällt mir am Besten. ich bin frei, hoch oben auf dem Parkdeck von den Menschen und den Sorgen scheinbar weit entfernt und doch wieder nah dran. Ich überlege meine Überlebensroute für den nächsten Tag. Aber ich bin nicht alleine Ich bekomme Hilfe. der Lebensmüde bringt mir, was ich brauche Kleidung, Geld. Ich muss nur ein bisschen clever sein und ihm die Sachen abluchsen, ihn davon überzeugen, dass ich sie nötiger brauche. Gleichzeitig zeigt er mir, dass ich zu Mitgefühl mit anderen Menschen fähig bin, obwohl ich sie von 'oben herab' betrachte. Elfi Da ich, was psychische Erkrankungen betrifft/ angeht "vom Fach" bin - ich hatte mehrere Psychosen und habe aktuell noch Kontrollzwänge - liegen mir die Theaterrollen, wo auch gerade diese Krankheitsbilder "gefragt" sind, heißt: ich spiele zwei Psychotiker, einer davon hat gleichzeitig eine Manie und Kontrollzwänge. Ich "soll" bzw. darf mich also so richtig ausleben, mich gehen lassen und zu meinen Krankheiten/ Krankheitsbildern stehen, wenn diese sogar schon auf der Bühne gefragt sind, für bühnenreif erklärt worden sind und die Leute (sogar) dafür bezahlen, das zu sehen...... Tom Bei unserem neuen Theaterstück, "Mr. Pilk's Irrenhaus", spiele ich in 2 Episoden mit. Einmal bin ich ein lustloser Kellner, der kaum redet. Ein andermal bin ich ein sehr extrovertierter, durchgeknallter Cowboy. Da sich diese Rollen sehr unterscheiden, ist es für mich eine ganz große Herausforderung, den beiden verschieden Charackteren gerecht zu werden. Mit jeder weiteren Probe macht es mir mehr Spass und ich hoffe sehr, dass auch das Publikum am Stück gefallen finden wird. Uli Ich bin Maile Ira Folwill, 54 Jahre alt und lebe seit 2005 in dem Wohnheim “Zwischenraum e.V.” für psychisch kranke Erwachsene. Seit meinem 17. Lebensjahr leide ich an einer chronifizierten Schizophrenie. Erfahrungen mit Theaterarbeit mache ich erst seit Entstehung des Theaters “FULMINANT”. Theaterspielen ist fast das einzige, wo ich innere und äußere Freiheit erlebe. Anfangs hatte ich große Angst, meine Problematik könnte so stark sein, dass sie mir das Spielen unmöglich macht. So nach und nach finde ich mich Dank der ausgezeichneten Regie und Dank meiner Schauspielerkollegen/innen gut ein. “Mr. Pilk´s Irrenhaus” mag ich besonders, kann ich mich doch ein Stück wieder finden in den Inhalten der Sketche. So gehören z. B. “Spielzeugautos” auch zu meinen Problematiken. Warum ich gerade Ärztinnen spiele? Nun, es ist gut, die andere Seite kennen zu lernen, wenn auch etwas überzogen. Theaterarbeit ist eben alles, um auch unmögliches möglich zu machen. Danke! ![]() Zur Theatergruppe "Fulminant" Alle Schauspielerinnen und Schauspieler sind Psychiatrie-Erfahrene aus dem Kölner Stadtbezirk Köln 3, hauptsächlich Patienten der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Köln, Betreuer des Wohnheims "Zwischenraum", Klienten des Betreuten Wohnens von "Zwischenraum" und Besucher der Kontakt- und Beratungsstelle des SPZ Lindenthal. Das Theater "Fulminant" ist hervorgegangen aus einem Theaterworkshop, der auf Initiative der Tagesklinik der Uniklinik und des Zwischenraum e. V. im Januar 2005 ins Leben gerufen wurde. Die beiden ersten kleinen Stücke "Das Denkmal" und der "Tausendeuroschein" (frei nach dem Film "Die Kinder des Olymp") wurden ab Sommer 2005 in verschiedenen psychiatrischen Einrichtungen aufgeführt. Datum: Freitag, den 22. Januar 2010 - 19:00 Uhr (Einlass: 18:00 Uhr) Ensemble: Theatergruppe FULMINANT Ort: PAUKE -LIFE- Kultur Bistro, Endenicher Str. 43, 53115 Bonn Eintritt: 9 ¤ zzgl. VVK-Gebühr / 13 ¤ AK / 5 ¤ erm. Weitere Beiträge in Kategorie Bonn
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