12.07.2011 - 29.02.2012
Mit
Heinrich Campendonk (1889 – 1957) setzt das Kunstmuseum Bonn seine
Ausstellungsreihe der Rheinischen Expressionisten fort. Nach Hans Thuar
und Paul Adolf Seehaus
wird nun eine Auswahl der Werke Campendonks aus der Sammlung des
Kunstmuseums auf einer Wand in den Räumen des Erdgeschosses ausgestellt,
begleitet von Informationen zum Leben und Werk. Zugleich endet die
Präsentation der „Noblen Gäste“ aus der Kunsthalle Bremen. An ihrer
Stelle zeigt das Museum wieder Bilder aus seiner Sammlung der
Klassischen Moderne.
Im Kreis der
Rheinischen Expressionisten ist Heinrich Campendonk einer der
eigenständigsten Künstler gewesen. Die engen Verbindungen, die er wie
August Macke zum Blauen Reiter hatte, waren für ihn biografisch
und stilistisch allerdings wichtiger als die wenigen konkreten
Berührungspunkte mit der rheinischen Avantgarde. Künstlerische Aspekte,
die Freundschaft mit August und Helmuth Macke und Heinrich Nauen sowie
seine Teilnahme an der Ausstellung Rheinischer Expressionisten in Bonn 1913 rechtfertigen aber die Zuordnung zum Rheinischen Expressionismus.
Campendonks Weg
begann an der Kunstgewerbeschule in Krefeld. Hier wurde ihm auch das
Werk von van Gogh vermittelt, dessen lodernde Farbsprache Campendonks
frühe Bilder prägt. Den entscheidenden Schritt machte seine Kunst mit
dem Umzug nach Sindelsdorf in die Nähe von Franz Marc und der
Auseinandersetzung mit den Künstlern des
Blauen Reiters. Ein eigenwilliges Intermezzo in dieser Entwicklung ist die
Pferdekomposition
aus einer Bildreihe von 1912, die sich eng an Formmodelle des Kubismus
anlehnt, ohne die entsprechenden Motive zu übernehmen. In der Gouache
Gelb-weiße Kuh vor Häusern
kehrte Campendonk zu einer Rhythmik klarer Farben zurück, die die
statische Bildgliederung in Bewegung versetzt. Wie August Macke und
Franz Marc hat Campendonk nicht nur die Ergebnisse des Kubismus, sondern
auch des Futurismus und vor allem der Farblichtmalerei Delaunays
wahrgenommen. Die häufige Darstellung des Tiers verbindet ihn besonders
mit der Kunst Marcs.
Das Gemälde Junges Paar am Tisch (Stillleben mit zwei Köpfen)
von 1914, ein Selbstbildnis Campendonks mit seiner Frau Adda, zeigt die
eigene Qualität seiner Kunst. Gegenüber den Bildern Mackes kühler in
der Farbigkeit und härter in der Form scheinen die Dinge frei im Raum
verteilt und sind doch zugleich in einen überlegten Bildaufbau
eingebunden. In den folgenden Jahren wurde diese konstruktive
Sperrigkeit mehr und mehr von einer weichen, fließenden und ruhigen
Darstellungsweise abgelöst.
Campendonk
hielt dabei an der Poetisierung der Bildwirklichkeit fest. Sie kommt
auch im Holzschnitt zum Ausdruck, mit dem sich der Künstler seit 1916
intensiv auseinander setzte: das bäuerliche Leben, der Akt in der Natur,
es ist mitten in der Zerstörung der Traum einer Versöhnung des Menschen
mit der Welt. Gegenüber Marcs metaphysischen Einheitsvisionen, die
zudem den Menschen ausschließen, erscheint Campendonks Welt
märchenhafter, idyllischer, wenn auch in ihrer oft erstarrten
Frontalität nicht frei von Melancholie und Einsamkeit. Auch der Harlekin
oder der Mann mit Maske im ortlosen rot leuchtenden Farbraum gehören
solcher Zwischenwelt an, die von ihrer Scheinhaftigkeit weiß. Bis zu
seinen späten monumentalen Glasfenstern blieb Campendonk der Künstler,
der die Ideen des Blauen Reiters weiter trug, indem er nach der
Möglichkeit fragte, im Bild eine übergeordnete, von inneren, geistigen
Kräften bestimmte Wirklichkeit sichtbar zu machen.